2004 – meine heutige Frau studierte gerade in Washington, bereitete sich auf Ihren Job in Istanbul vor – als ich Sie in Prag zum ersten Mal traf. Sie dachte, ich sei Franzose, eigentlich wollte sie in Wien leben – es kam alles ganz anders. Das ist Globalisierung…
Gestern abend unterhielt ich mich mit einem Direktor der Berliner Verkehrsbetriebe Ernst Walter Lipka und erzählte ihm von einem UNO Projekt in Istanbul.
2005 startete die türkische Regierung zusammen mit der UNIDO ein Pilotprojekt mit Prof. Nejat Veziroğlu, als einem der Vorreiter der Wasserstoff Forschung – der Wissenschaftler lehrte lange an der Miami Universität, ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen. Ziel war die Etablierung des ersten Internationalen Wasserstoff Zentrums – dem UNIDO-ICHET, mit der ersten Aufgabe, in den Istanbuler Verkehrsbetrieben in einen Feldversuch mit 12 Wasserstoff Bussen von Mercedes Benz einzusetzen. Meine Frau war beim Start von UNIDO-ICHET als Direktions Assistentin beim Wasstoffpapst Prof. Nejat Veziroğlu tätig.
Istanbul, mit seinen geschätzten 14 Millionen Einwohnern verteilt auf 2 Kontinenten – verbunden über zwei riesige Brücken über die jeden Tag mehre huntertausend Fahrzeugen zwischen Orient und Okzident pendeln. Allein der Busbahnhof Enseler zählt täglich 15.000 Fahrzeugbewegungen an 168 Bahnsteigen und wird von über 1 Million Personen frequentiert. Die Metropole legt ein gewaltiges Tempo bei Bevölkerungszuwachs und Industrialisierung vor. Die städtebaulichen Herausforderungen sind unvorstellbar! Als ein tolles Besipiel für Umwelstschutz zählt für mich neben dem UNO Projekt, dass alle Istanbuler Taxis schon heute mit Erdgas betrieben sind…
„Die Wasserstoff Technologie ist die Sauberste, die man sich als Antrieb vorstellen kann – Wasser, das einzige Abgas.“ leitete BVG-Direktor Lipka gestern Abend unser Gespräch ein. „Aber unser Problem ist: es gibt aktuell auf der Welt nicht genügend Wasserstoff – wir wollten eine Flotte von 100 Bussen in Berlin etablieren – jetzt haben wir nur 10. Der Wasserstoff wird hier in Berlin aus Erdgas hergestellt – der Preis für den Wasserstoff ist OK – aber die Masse, die wir brauchen ist einfach nicht herstellbar bzw. beschaffbar auf dem Weltmarkt“.
Das illustriert nach meiner Meinung das ganze Dilemma:
- Die Wasserstoff Technologie ist einsatzfähig!
- Die Preise für H2 sind konkurrenzfähig!
- Aber in einem Gebiet – der Herstellung von H2 – gibt es nicht genügend Produktionskapazitäten…
- Surreal: brauchen wir für die Herstellung von Wasserstoff wirklich fossile Energieträger???
Und da meine Frau sich mit mir entschieden hat, in Berlin zu leben - werden wir das nächste Mal im – mit Feinstaubfilter ausgerüsteten BVG Bus (Diesel oder Erdgas betrieben) – symbolisch die Daumen drücken, dass doch bald genug Wasserstoff aus nicht-fossilen Energieträgern produziert werden wird. Aber vermutlich muss der Ölpreis dazu erst 500 Dollar/Barrel betragen oder Putin den Gashahn nach Europa zudrehen… und solange kleben wir Feinstaubplaketten für 5 Euro auf (fast) alle Autos. Denn das hilft bestimmt! Zumindest sichert die Plakette jede Menge Arbeitsplätze in der Berliner Verwaltung…


